Nachhaltigkeit · Lesezeit ca. 6 Min · Serie Wohngeschichte

Nachhaltiges Wohnen: Von der Gartenstadt zur Energiewende

Was Nachhaltigkeit im genossenschaftlichen Wohnungsbau praktisch bedeutet, von Wärmedämmung bis Baumschutz.

Dieser Artikel ist Teil der Reihe Wohngeschichte, in der Häuserhelden Themen aus der Geschichte des genossenschaftlichen Wohnungsbaus aufbereitet. Grundlage ist das Jubiläumsbuch „100 Jahre Baugenossenschaft Neu Heidelberg eG" (Heidelberg, 2018). Es geht um Heidelberg, nicht um Düsseldorf oder das Bergische Land, unser eigenes Tätigkeitsgebiet.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, den man sich leicht zu abstrakt oder zu kompliziert macht. Die ursprüngliche Definition stammt vom Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der 1713 festlegte, aus einem Wald dürfe nur so viel Holz entnommen werden, wie er in absehbarer Zeit von selbst nachwachsen kann. Übertragen auf den Wohnungsbau heißt das: Ressourcen so nutzen, dass künftige Generationen noch etwas davon haben. Im genossenschaftlichen Wohnungsbau wird daraus ein sehr konkretes, alltägliches Arbeitsfeld.

Nachhaltigkeit als Dauerthema der Technikabteilung

Im genossenschaftlichen Wohnungsbau berührt Nachhaltigkeit praktisch jeden Bereich: Baumaterialien, Wärme- und Schalldämmung, Energieversorgung, Abfallwirtschaft, Natur- und Tierschutz, Trinkwasserhygiene, Lichtverfügbarkeit und Brandschutz. Dazu kommen Anforderungen, die mit einer älter werdenden Bewohnerschaft immer wichtiger werden: Barrierefreiheit und Angebote für Betreutes Wohnen. All das läuft bei einer Genossenschaft über die sogenannte Technikabteilung, die ständig zwischen unterschiedlichen Interessen abwägen muss.

Ein Beispiel aus dem Alltag solcher Abwägungen: große, alte Bäume auf dem Gelände sind erhaltenswert für den Naturschutz, können mit ihren Wurzeln aber die Bausubstanz gefährden. Die Technikabteilung muss dann zwischen Grünerhaltung und der Rettung der Gebäude entscheiden. Auch Bodenproben vor einem Neubau gehören heute selbstverständlich dazu. Ist der Untergrund belastet, muss er abgetragen und ersetzt werden, bevor überhaupt gebaut werden darf.

Sichtbare und unsichtbare Bausteine der Energiebilanz

Die auffälligsten Zeichen der Nachhaltigkeitsbewegung im Wohnungsbau sind Sonnenkollektoren auf den Dächern. Sie wandeln Sonnenlicht in Strom um und sparen damit Energie, die sonst weniger sauber erzeugt werden müsste. Genauso wichtig, aber deutlich weniger sichtbar, ist die Wärmedämmung an den Gebäuden selbst. Im Idealfall fällt sie gar nicht auf, trägt aber dauerhaft zur Energiebilanz eines Hauses bei. Auch begrünte Dächer, etwa auf Hofgebäuden, zählen zu diesen eher unauffälligen, aber wirksamen Maßnahmen.

Heidelberg als Bezugspunkt, nicht als Vorbild für jede Stadt

Im Jubiläumsbuch der Baugenossenschaft Neu Heidelberg wird Heidelberg im Zusammenhang mit diesen Themen als Stadt beschrieben, die sich dem Anspruch einer Art Nachhaltigkeitshauptstadt stellt. Das ist zunächst eine lokale Selbstverortung, die sich aus der besonderen Geschichte und den Rahmenbedingungen dieser einen Stadt ergibt, etwa in der Art, wie dort Neubauvorhaben und Bestandspflege mit Umwelt- und Naturschutzauflagen verzahnt sind. Solche stadtspezifischen Zuschreibungen lassen sich nicht einfach auf andere Städte übertragen, die eigene Ausgangslagen, eigene Bebauungsstrukturen und eigene lokale Vorgaben haben.

Interessant bleibt trotzdem das Prinzip dahinter: Nachhaltigkeit zeigt sich am Ende immer an sehr konkreten Einzelentscheidungen vor Ort, bei der Dämmung eines Bestandsgebäudes, bei der Wahl des Baumaterials, bei der Frage, ob ein Baum stehen bleiben kann. Genau diese Kleinarbeit, nicht die große Überschrift, macht aus einem Nachhaltigkeitsanspruch etwas, das sich im Gebäudebestand tatsächlich niederschlägt.

Was daraus für den Blick auf Bestandsgebäude folgt

Für jeden, der sich mit älteren Wohngebäuden beschäftigt, egal in welcher Stadt, liefert dieses Beispiel eine nützliche Leitfrage: Wie gut ist ein Gebäude gedämmt, wie ist die Dachfläche genutzt, und welche Altlasten oder Einschränkungen bringt das Grundstück selbst mit. Diese Fragen entscheiden langfristig über Energiekosten und Erhaltungsaufwand, unabhängig davon, ob eine Stadt sich selbst ein großes Nachhaltigkeitslabel gibt oder nicht.

Quelle: Martin Kunzler, „100 Jahre Baugenossenschaft Neu Heidelberg eG", herausgegeben von der Baugenossenschaft Neu Heidelberg eG anlässlich ihres 100. Jubiläums, Heidelberg 2018. Weitere Artikel der Reihe: Übersicht Wohngeschichte.
Bildnachweis: Foto von Asurnipal, Lizenz CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.

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