Entscheidung · Lesezeit ca. 7 Min · von Daniel Kircher

Selbst verkaufen oder Makler?

Eine ehrliche Rechnung: Was der Privatverkauf wirklich kostet und wann sich ein Makler trotz Provision auszahlt.

Kurz vorweg: Beide Wege funktionieren. Der Privatverkauf spart die Provision, kostet aber Zeit, Reichweite und trägt das volle Haftungsrisiko. Ein Makler verursacht Kosten, erzielt aber durch richtige Preisfindung, größere Reichweite und professionelle Verhandlung oft einen höheren Nettoerlös. Die ehrliche Antwort hängt von Ihrem Objekt, Ihrer Zeit und Ihrem Markt ab.

Privatverkauf oder Makler im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle stellt beide Wege sachlich gegenüber. Sie ersetzt keine Einzelfallbetrachtung, zeigt aber, wo die echten Unterschiede liegen.

Kriterium Privatverkauf Verkauf mit Makler
Zeitaufwand Hoch: Exposé, Anfragen, Besichtigungen, Termine selbst koordinieren. Gering: Der Makler übernimmt Organisation und Kommunikation.
Reichweite Begrenzt auf eigene Inserate und Kontakte. Breit: Portale, Netzwerk und vorgemerkte Kaufinteressenten.
Preisfindung Risiko, zu hoch oder zu niedrig anzusetzen. Marktgerechter Preis aus Bodenrichtwerten und Vergleichsdaten.
Verhandlung Emotional und ohne Routine, oft mit Preisnachlässen. Souverän und mit Erfahrung, häufig bessere Abschlüsse.
Rechtssicherheit Eigene Verantwortung für Unterlagen, Energieausweis und Vertrag. Strukturierte Vorbereitung aller Unterlagen bis zum Notartermin.
Haftungsrisiko Voll beim Eigentümer, etwa bei fehlerhaften Angaben. Reduziert durch saubere Aufklärung und Dokumentation.
Provision Keine. Anfällig, in NRW marktüblich rund 7,14 Prozent inkl. MwSt., geteilt.

Die Maklerprovision in NRW: Wer zahlt was?

Seit dem Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten, das im Dezember 2020 bundesweit in Kraft trat, gilt beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen an Verbraucher der Grundsatz der geteilten Provision. Verkäufer und Käufer tragen die Maklerkosten in der Regel je zur Hälfte. Wer den Makler beauftragt, darf höchstens die Hälfte auf die andere Partei umlegen und muss seinen eigenen Anteil mindestens zeitgleich zahlen. Die rechtliche Grundlage finden Sie in den Paragrafen 656a ff. BGB.

Eine gesetzlich festgelegte Höhe der Provision gibt es nicht; sie ist frei verhandelbar. In Nordrhein-Westfalen ist eine Gesamtprovision von rund 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer marktüblich, die seit der Reform üblicherweise hälftig auf beide Seiten verteilt wird. Für den Verkäufer bedeutet das: nicht die volle Provision, sondern nur der eigene Anteil mindert den Erlös.

Was die Provision konkret bedeutet

Wann sich ein Makler rechnet

Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Makler Geld kostet, sondern ob er unter dem Strich mehr einbringt, als er kostet. Ein marktgerecht angesetzter Preis vermeidet den Ladenhüter-Effekt, bei dem ein überhöhter Startpreis Interessenten in den ersten und wichtigsten Wochen abschreckt. Größere Reichweite erhöht die Zahl ernsthafter Interessenten und damit den Wettbewerb um Ihr Objekt. Und in der Verhandlung macht Routine den Unterschied zwischen einem schnellen Nachlass und einem souveränen Abschluss.

Ehrlich bleibt aber auch: Bei sehr gefragten Objekten in Toplagen, klarer Marktlage und ausreichend Zeit kann ein Privatverkauf aufgehen. Wer dagegen wenig Zeit hat, Haftungsrisiken vermeiden will oder bei der Preisfindung unsicher ist, fährt mit professioneller Unterstützung meist besser. Wie der Verkauf Schritt für Schritt abläuft, lesen Sie im Ratgeber zum Ablauf des Hausverkaufs.

Eine ehrliche Beispielrechnung

Angenommen, ein Privatverkauf erzielt nach längerer Vermarktung und einem Preisnachlass einen bestimmten Betrag. Erzielt ein Makler für dasselbe Objekt durch bessere Preisfindung und Verhandlung einen höheren Verkaufspreis, kann der Nettoerlös nach Abzug des eigenen Provisionsanteils trotzdem über dem Privatverkauf liegen. Garantiert ist das nicht, und seriös lässt es sich nur am konkreten Objekt rechnen, nicht mit Pauschalversprechen.

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Häufige Fragen zu Privatverkauf und Makler

Wer zahlt in NRW die Maklerprovision beim Hausverkauf?

Seit dem Gesetz von Dezember 2020 teilen sich Verkäufer und Käufer beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen die Provision in der Regel je zur Hälfte. Die beauftragende Partei darf höchstens die Hälfte umlegen.

Lohnt sich ein Makler trotz Provision?

Häufig ja. Marktgerechte Preisfindung, größere Reichweite und professionelle Verhandlung steigern oft den Nettoerlös über die Provision hinaus. Bei Toplagen kann aber auch ein Privatverkauf funktionieren.

Wie hoch ist die Maklerprovision in NRW?

Die Höhe ist frei verhandelbar. Marktüblich sind in NRW rund 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer, seit Dezember 2020 üblicherweise je zur Hälfte auf Verkäufer und Käufer verteilt.

Welche Risiken hat der Privatverkauf?

Der Eigentümer trägt vollen Zeitaufwand, das Haftungsrisiko für fehlerhafte Angaben und das Risiko eines falsch angesetzten Preises. Mehr dazu im Ratgeber zu den Risiken des privaten Verkaufs.

Kann ich die Maklerprovision steuerlich absetzen?

Beim selbst genutzten Eigenheim in der Regel nicht. Bei vermieteten oder gewerblich verkauften Objekten kann sie steuerlich relevant sein. Klären Sie den Einzelfall mit Ihrer Steuerberatung.

Quellen & weiterführend: BGB §§ 656a ff. (Maklerkosten), Bundesministerium der Justiz, BORIS NRW (Bodenrichtwerte).

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