Kapitalanlage · Lesezeit ca. 9 Min · von Daniel Kircher

Neubau oder Bestandsimmobilie als Kapitalanlage: der ehrliche Vergleich

Kaufpreis, Instandhaltung, Abschreibung, Vermietbarkeit und Risiko nüchtern gegenübergestellt, ohne vorgefertigte Antwort.

Neubau oder Bestand ist eine der ersten Fragen, die sich bei einer Immobilie als Kapitalanlage stellt. Beide Wege haben handfeste Vor- und Nachteile, die sich je nach Risikoprofil, Zeithorizont und Steuersituation unterschiedlich auswirken. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Unterschiede nüchtern gegenüber, ohne eine der beiden Varianten pauschal zu bevorzugen.

Kaufpreis pro Quadratmeter

Als grobe Branchen-Faustregel liegt der Kaufpreis pro Quadratmeter bei einem Neubau in derselben Lage häufig 20 bis 40 Prozent über einer vergleichbaren Bestandsimmobilie. Das ist keine exakte, wissenschaftlich belegte Zahl, sondern eine grobe Orientierung aus der Praxis, die je nach Stadt, Lage und Objekt deutlich abweichen kann. Der höhere Preis beim Neubau spiegelt neuere Baustandards, Gewährleistung und oft eine bessere Energieeffizienz wider. Für die Rendite ist der Kaufpreis nur ein Faktor, er muss immer zusammen mit erzielbarer Miete, Nebenkosten und Finanzierung betrachtet werden.

Instandhaltung: niedrigere Kosten versus kalkulierbarer Sanierungsbedarf

Bei einem Neubau ist in den ersten Jahren nach dem Kauf meist mit einer niedrigeren Instandhaltungsrücklage zu rechnen, weil Bauteile und Haustechnik neu sind und Gewährleistungsfristen greifen. Bei einer Bestandsimmobilie ist dagegen oft schon absehbar, wo in den kommenden Jahren investiert werden muss, etwa bei Dach, Fenstern oder Heizung. Das wirkt zunächst nach einem Nachteil, ist aber in der Praxis oft der kalkulierbarere Weg: Der Sanierungsbedarf eines Bestandsobjekts lässt sich vor dem Kauf durch eine technische Prüfung und ein Gutachten einschätzen, während beim Neubau vom Plan unvorhergesehene Mängel erst nach der Fertigstellung auftauchen können.

Steuerliche Abschreibung: Sonder-AfA versus sofort absetzbarer Sanierungsanteil

Ein Neubau kann unter bestimmten Voraussetzungen von der Sonder-AfA nach § 7b EStG profitieren, zusätzlich zur regulären linearen AfA. Welche Voraussetzungen dafür gelten und wie die Abschreibung konkret aufgebaut ist, erklärt der Beitrag AfA-Vergleich: Lineare, Degressive, Neubau- und Denkmal-Abschreibung. Eine Bestandsimmobilie hat in der Regel nur Anspruch auf die lineare AfA. Dafür lässt sich bei ihr ein hoher Sanierungskostenanteil häufig sofort als Werbungskosten absetzen, statt über Jahre verteilt abgeschrieben zu werden, sofern die steuerlichen Grenzen zwischen Erhaltungsaufwand und anschaffungsnahen Herstellungskosten eingehalten werden. Welche Variante am Ende die höhere steuerliche Entlastung bringt, hängt von der persönlichen Steuersituation ab und lässt sich nur mit einem Steuerberater verlässlich durchrechnen.

Vermietbarkeit: niedrigere Nebenkosten versus gewachsene Lage

Ein Neubau punktet bei Mietern meist durch niedrigere Nebenkosten, moderne Grundrisse und einen zeitgemäßen energetischen Standard. Eine Bestandsimmobilie liegt dagegen häufig in einer zentralen, bereits gewachsenen Lage mit kurzen Wegen zu Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindung, die bei Neubauprojekten am Stadtrand oft erst noch entsteht. Beide Faktoren wirken sich auf Vermietungsgeschwindigkeit und Mieterstruktur aus, welcher davon stärker wiegt, hängt von der jeweiligen Zielgruppe am Standort ab.

Risiko: Baufertigstellung versus verdeckte Mängel

Beim Neubau besteht ein eigenes Risiko, solange das Gebäude noch nicht fertiggestellt ist: die Bauzeit kann sich verzögern, oder der Bauträger gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten, bevor der Bau abgeschlossen ist. Wie dieses Risiko rechtlich abgesichert wird, steht im Beitrag Was passiert, wenn der Bauträger insolvent wird?. Bei einer Bestandsimmobilie liegt das Risiko eher bei verdeckten Mängeln, die erst nach dem Einzug sichtbar werden. Der Unterschied liegt dabei vor allem in der Prüfbarkeit vor dem Kauf: Eine Bestandsimmobilie lässt sich besichtigen, begehen und technisch untersuchen, ein Neubau vom Plan existiert bei Vertragsschluss oft nur auf dem Papier.

Pro und Contra im Überblick

Kriterium Neubau Bestand
Kaufpreis Höher, laut Faustregel oft 20 bis 40 % über Bestand Niedriger, Spielraum für Verhandlung
Instandhaltung Niedrige Rücklage in den ersten Jahren Höherer, aber vorab prüfbarer Sanierungsbedarf
Steuerliche AfA Ggf. Sonder-AfA nach § 7b EStG zusätzlich zur linearen AfA Nur lineare AfA, dafür oft Sanierungsanteil sofort absetzbar
Vermietbarkeit Niedrigere Nebenkosten, moderner Standard Oft zentralere, gewachsene Lage
Risiko Baufertigstellungsrisiko, nur auf dem Plan prüfbar Verdeckte-Mängel-Risiko, dafür vorab besichtigbar

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Fazit: keine pauschal bessere Antwort

Es gibt keine pauschal „bessere" Antwort auf die Frage Neubau oder Bestand. Wer Wert auf niedrige laufende Kosten in den ersten Jahren und einen modernen energetischen Standard legt und das Baufertigstellungsrisiko tragen kann, findet im Neubau gute Argumente. Wer eine geprüfte, sofort besichtigbare Immobilie in gewachsener Lage sucht und einen kalkulierbaren Sanierungsbedarf einplanen kann, ist mit einer Bestandsimmobilie oft gut beraten. Am Ende entscheidet das eigene Risikoprofil, der geplante Anlagehorizont und die persönliche Steuersituation, welcher Weg im Einzelfall die bessere Wahl ist.

Häufige Fragen zu Neubau und Bestand als Kapitalanlage

Ist Neubau als Kapitalanlage immer teurer als eine Bestandsimmobilie?

Als grobe Branchen-Faustregel liegt der Kaufpreis pro Quadratmeter bei Neubau in derselben Lage häufig 20 bis 40 Prozent über einer vergleichbaren Bestandsimmobilie. Das ist keine exakte, überall gültige Zahl, sondern eine Orientierung. Im Einzelfall hängt der tatsächliche Abstand von Lage, Ausstattung, Baujahr und Zustand des Bestandsobjekts ab und sollte für das konkrete Objekt geprüft werden.

Welche Immobilie hat die niedrigeren laufenden Kosten, Neubau oder Bestand?

In den ersten Jahren nach dem Kauf liegt die laufende Instandhaltungsrücklage bei einem Neubau meist niedriger, weil Bauteile und Technik neu sind und Gewährleistungsfristen greifen. Bei einer Bestandsimmobilie ist mit höherem Sanierungsbedarf zu rechnen, dieser lässt sich aber vor dem Kauf durch eine technische Prüfung und ein Gutachten oft deutlich besser einschätzen und einkalkulieren als bei einem erst zu errichtenden Neubau.

Welche steuerlichen Abschreibungsvorteile gibt es bei Neubau und Bestand?

Neubauten können unter bestimmten Voraussetzungen von der Sonder-AfA nach § 7b EStG profitieren, zusätzlich zur linearen AfA. Bestandsimmobilien haben in der Regel nur Anspruch auf die lineare AfA, dafür lässt sich bei ihnen ein hoher Sanierungskostenanteil häufig direkt als Werbungskosten absetzen. Welche Variante steuerlich günstiger ist, hängt von der persönlichen Steuersituation ab und sollte mit einem Steuerberater durchgerechnet werden.

Welches Risiko ist größer, das Baufertigstellungsrisiko beim Neubau oder verdeckte Mängel beim Bestand?

Beide Risiken sind unterschiedlicher Natur. Beim Neubau besteht das Risiko, dass sich die Fertigstellung verzögert oder der Bauträger in Schwierigkeiten gerät, bevor das Gebäude fertig ist. Bei der Bestandsimmobilie können verdeckte Mängel erst nach dem Einzug auffallen, dafür lässt sich das Objekt vor dem Kauf besichtigen und technisch prüfen, während ein Neubau beim Kauf vom Plan nur auf dem Papier existiert.

Quellen & weiterführend: EStG § 7b (Neubau-Sonder-AfA), EStG § 7 (lineare AfA), Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV).

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