Ich habe in meiner eigenen Makler-Arbeit damit angefangen, Exposé-Texte mit KI zu schreiben — und nie wieder aufgehört. Nicht weil die KI besser schreibt als ich, sondern weil ich nach dem fünften Einfamilienhaus im Monat keine Energie mehr habe, jedes Mal neu anzufangen. KI gibt mir einen soliden Rohtext in zwei Minuten, ich passe ihn an und bin fertig. Was ich dabei über Prompts, Unterschiede zwischen ChatGPT und Claude und rechtliche Grenzen gelernt habe, steht in diesem Artikel.
Warum Exposé-Texte der größte Zeitfresser im Makler-Alltag sind
Ein gutes Exposé braucht Struktur: Lagebeschreibung, Objektbeschreibung, Ausstattung, Hinweise zu Energieeffizienz und Nebenkosten. Jedes Objekt ist anders, jeder Eigentümer legt andere Details in den Vordergrund, und trotzdem soll der Text flüssig lesen, professionell wirken und Interessenten zum Anruf motivieren.
Wer fünf bis zehn Objekte gleichzeitig betreut, verbringt ohne KI leicht zwei bis drei Stunden pro Woche nur mit dem Schreiben von Exposé-Texten. Das ist Zeit, die besser im Kundenkontakt aufgehoben wäre.
So funktioniert ein guter Exposé-Prompt
Der häufigste Fehler beim KI-Einsatz: zu wenig Input. „Schreib ein Exposé für ein Haus in Düsseldorf" produziert einen generischen Text, der Ihnen nicht hilft. Je konkreter die Eingabe, desto besser das Ergebnis.
Ein vollständiger Exposé-Prompt enthält diese Felder:
- Objekttyp: Freistehendes EFH, Doppelhaushälfte, ETW, Mehrfamilienhaus?
- Lage: Stadt, Stadtteil, Besonderheit der Lage (ruhige Seitenstraße, Nähe zum Park, Ortsrandlage)
- Zahlen: Wohnfläche, Grundstück (wenn relevant), Zimmer, Baujahr
- Ausstattung (konkret): Fußbodenheizung, Kamin, neue Küche, Carport, Keller — mindestens 3–5 Details
- Besonderheit: Was macht dieses Objekt einzigartig? Südgarten, Altbaucharme, frisch saniertes Bad?
- Zielgruppe: Familien, Paare, Kapitalanleger, Senioren?
- Ton: Warm und einladend? Nüchtern-sachlich? Modern und knapp?
- Länge: Ca. 150–200 Wörter für das Portal, 300–400 für das PDF-Exposé
Beispiel-Prompt
„Schreib einen Exposé-Text für ein freistehendes Einfamilienhaus in Ratingen-Hösel, ruhige Wohnlage nahe dem Bahnhof. 142 m² Wohnfläche, 520 m² Grundstück, 5 Zimmer, Baujahr 1982, vollständig saniert 2019. Ausstattung: Fußbodenheizung im EG, offene Küche mit Insel, Holzterrasse mit Südausrichtung, Doppelgarage, Keller. Besonderheit: großer Garten mit altem Obstbaumbestand. Zielgruppe: Familie mit Kindern. Ton: warm, konkret, keine Superlative. Ca. 200 Wörter."
Mit diesem Prompt erzeugen ChatGPT und Claude einen Text, der in 80 % der Fälle mit kleinen Anpassungen direkt verwendbar ist.
ChatGPT vs. Claude: Unterschiede für Exposés
Beide Tools funktionieren gut für Exposé-Texte — aber mit unterschiedlichen Stärken:
- ChatGPT (GPT-4o): Schnell, flüssig, sehr „marketingfreundlich". Neigt bei unpräzisen Prompts zu Superlativen und blumigen Formulierungen. Gut für emotionale Objekte (Altbau, besondere Lage).
- Claude (Anthropic): Produziert etwas sachlichere, weniger repetitive Texte. Stärker bei der Strukturierung komplexer Ausstattungslisten. Bessere Selbstkorrektur bei Widersprüchen im Prompt.
In der Praxis lohnt es sich, beide kurz auszuprobieren und dann bei dem zu bleiben, dessen Output dem eigenen Stil näher kommt. Viele Makler nutzen ChatGPT für Portaltexte und Claude für längere Exposé-PDFs.
Was KI gut kann — und was nicht
KI ist stark in:
- Flüssigen, lesbaren Fließtexten aus Stichpunkten
- Variantenvielfalt (drei Versionen auf einmal)
- Tonvariationen (sachlich, emotional, kurz, lang)
- Übersetzungen und Zusammenfassungen
KI ist schwach in — und hier müssen Sie immer selbst prüfen:
- Preisangaben: Niemals eine KI-Zahl in ein Exposé übernehmen. KI hat keine Marktdaten für Ihre Region.
- Lokale Besonderheiten: „Fußläufig zur Schule" oder „ruhige Seitenstraße" sollten Sie nur übernehmen, wenn Sie das selbst geprüft haben.
- Rechtliche Details: Angaben zu Mietrecht, Grundschuld, Denkmalschutz oder Teilungserklärungen dürfen niemals aus einem KI-Text stammen.
- Energieausweis-Werte: Diese müssen immer aus dem tatsächlichen Dokument übernommen werden.
Rechtlicher Rahmen: Was gilt beim KI-Exposé?
Es gibt keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Exposé-Texte im deutschen Maklerrecht (Stand Juni 2026). Die Verantwortung für den Inhalt liegt unverändert beim Makler. Das bedeutet: Alle sachlichen Angaben — Fläche, Zimmeranzahl, Baujahr, Ausstattung — müssen dem tatsächlichen Objekt entsprechen, unabhängig davon, wer den Text formuliert hat. Fehlerhafte Angaben im Exposé können Haftungsansprüche auslösen, auch wenn eine KI den Fehler „gemacht" hat.
Prüfen Sie jeden KI-Text einmal vollständig durch. Das dauert weniger als drei Minuten — und ist die entscheidende Qualitätssicherung.
Weitergedacht: Fertig-Prompts und Exposé-Service
Wer nicht jedes Mal einen Prompt von Grund auf neu formulieren will, spart Zeit mit einer fertigen Prompt-Bibliothek. Im Häuserhelden Studio Download-Bereich gibt es ein Set von 33 Makler-Prompts — darunter mehrere Exposé-Varianten für unterschiedliche Objekttypen und Zielgruppen — für ab 390 €.
Wer den Schritt weitergeht und Exposés komplett outsourcen möchte: Der Häuserhelden Studio Exposé-Service übernimmt Text, Layout und finale Aufbereitung als PDF ab 390 € pro Exposé. Auf Wunsch inklusive Foto-Shooting und Grundriss-Aufbereitung.